Kommunikation als Risiko

NÜRTINGEN (hfwu). Ein falsches Wort in einem Interview kann Unternehmen sehr teuer zu stehen kommen. Wie man es richtig macht, lernten MBA-Studierende der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen jetzt bei einem Praxisseminar mit dem ntv-Journalisten Raimund Brichta.

Der Volksmund empfiehlt, nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Doch in Unternehmen weiß man: Wenn eine Führungskraft in der Öffentlichkeit keine kommunikative Professionalität an den Tag legt, kann dies teuer werden. Ein einschlägiges Beispiel dafür lieferte Rolf Breuer im Februar 2002 als er am Rande des Weltwirtschaftsforums in New York der Nachrichtenagentur Bloomberg ein TV-Interview gab. Der damalige Deutsche-Bank-Chef zweifelte darin die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe an. Als der Medienkonzern zwei Monate später in die Insolvenz ging, machte Firmengründer Leo Kirch dafür Breuers öffentliche Äußerung verantwortlich. Am Ende einer jahrelangen juristischen Auseinandersetzung zahlte die Deutsche Bank den Kirch-Erben 928 Millionen Euro. Und Rolf Breuer wiederum zahlte dem Geldinstitut als Ergebnis eines Vergleiches 3,2 Millionen Euro.

In Wolfsburg schrillten wiederum die Alarmglocken, als im Januar 2016 der damalige VW-Chef Matthias Müller in die USA reiste, um im Kontext von „Diesel-Gate“ Vertrauen zurückzugewinnen, in einem Interview mit dem US-Radiosender NPR den höchst irritierenden Satz sagte: „Wir haben nicht gelogen.“ VW habe lediglich die US-Gesetze „falsch interpretiert“.

TV-Interviews können, wie die Beispiele zeigen, schnell zum kostspieligen Unternehmensrisiko werden. „Kommunikation ist damit ein Risiko der besonderen Art, das es zu managen gilt“, meint HfWU-Professor Kurt M. Maier, Direktor des Instituts Campus of Finance an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen. Schon deshalb sei es unerlässlich, dass sich MBA-Studierende der Hochschule mediale Kompetenz aneignen.

Für die Teilnehmer der berufsbegleitenden MBA-Programme „Management and Finance“, „Management and Real Estate“ und „Management and Production“ nimmt die Vermittlung von Medienkompetenz schon seit vielen Jahren einen hohen Stellenwert ein. So ist beispielsweise der Besuch der RTL-Journalistenschule in Köln fixer Bestandteil des Curriculums. Beim diesem zweitägigen Seminar vermittelt n-tv-Journalist Raimund Brichta zentrale Elemente eines professionellen Fernsehauftritts. In einem Fernsehstudio werden die MBA-Studierenden vor laufender Kamera von dem renommierten n-tv-Telebörsen-Moderator ins Kreuzverhör genommen. Als gewiefter Journalist simuliert Brichta durch knallharte Fragen immer wieder schwierige und brenzlige Interviewsituationen für die Studierenden, häufig Fragen zu deren Arbeit und zu deren Arbeitgebern. Zwei Tage lang schickt Brichta die Studierenden immer wieder in den unterschiedlichsten Rollen vor die Kamera, als TV-Reporter, als Interviewgast oder als Experte im Rahmen eines Studiotalks. Die kritischen und hilfreichen Anmerkungen des Moderators zu den zahlreichen „Fernsehauftritten“ steigerten sehr schnell die Sicherheit, das Selbstbewusstsein und die Authentizität der Teilnehmer in der ungewohnten Umgebung.

Ein weiterer Höhepunkt ist der Besuch in der Live-Sendung „n-tv-Telebörse“. Die MBA-Studierenden erleben hautnah die Produktion der Wirtschaftssendung mit und können einen Blick hinter die Kulissen eines modernen TV-Studios werfen. „Mit unseren Partnern, Raimund Brichta und der RTL-Journalistenschule in Köln, haben wir die idealen Experten für unsere MBA-Studienprogramme gefunden“, resümiert Professor Maier den Studienaufenthalt.

Die nächsten MBA Programme Management and Finance, Management and Real Estate und Management and Production starten am 12. Oktober 2018 an der HfWU in Nürtingen.